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Wenn Funktionieren zur Identität wird

Eine Frau steht im Wasser mit dem Blick zum Horizont. Unten steht der Text: Einfach kurz innehalten.

Zwischen Pflichtgefühl, innerem Druck und der Sehnsucht nach einer Pause

 

Kennst du diese Momente, in denen du spürst, dass es jetzt gut wäre, aufzuhören?

Vielleicht nur für einen Moment. Einfach kurz innehalten. Durchatmen.

Und trotzdem gehst du weiter.

Weil es nicht anders geht? Oder weil es sich so anfühlt, als dürftest du jetzt nicht aufhören?

 

Ich sehe bei vielen Frauen genau das. Sie sind müde und machen weiter. Sie spüren ihre Grenzen und gehen darüber hinweg.

Weniger, weil sie nicht anders können. Sondern weil sich eine Pause in diesem Moment nicht wirklich möglich anfühlt.

 

Was treibt sie wirklich an?

 

Ich merke, dass meine Frage in eine andere Richtung geht.

Tun sie so viel, weil sie sich selbst nicht spüren wollen? Oder vielmehr, weil sie gelernt haben:

– dass es ihre Aufgabe ist, andere wichtiger zu nehmen als sich selbst?
– dass ihr Wert davon abhängt, wie viel sie leisten und tragen können?

Vielleicht wirkt darunter ein leiser, oft unbewusster Satz:

  • „Ich mache nicht genug.“
  • „Ich bin nicht gut genug.“

Ich nehme an dieser Stelle etwas sehr Paradoxes wahr:

Ein Getriebensein und zugleich eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe.

Der Wunsch, sich auszuruhen  und das Unvermögen, es sich zu erlauben.

 

Wie aus Fürsorge Selbstüberforderung wird

 

Viele Frauen haben früh gelernt:

  • sich anzupassen
  • Verantwortung zu übernehmen
  • für andere da zu sein

Für andere da zu sein, ist etwas sehr Wertvolles. 

Schwierig wird es dort, wo es keinen Raum mehr gibt, auch bei sich selbst zu bleiben.

Wo sich leise etwas einschleicht:

– Ich darf nicht aufhören.
– Ich muss weitermachen.

 

Und was passiert, wenn es still wird?

 

Vielleicht geht es gar nicht darum, dass „nichts“ da ist. Sondern darum, dass etwas auftauchen könnte, das lange keinen Raum hatte:

  • Müdigkeit
  • Überforderung
  • unerfüllte Bedürfnisse
  • vielleicht auch Leere oder Sinnfragen

Oder ganz schlicht: Die Unsicherheit, sich selbst zu begegnen, ohne etwas leisten zu müssen.

Vielleicht geht es weniger um Identität im theoretischen Sinn, sondern um etwas sehr Alltägliches:

 das Gefühl, nicht genug zu sein.

Und die leise Hoffnung, es durch Tun ausgleichen zu können.

 

Die Ambivalenz

 

Ich erlebe viele Frauen in einer inneren Zerrissenheit:

Sie wollen aus diesem Funktionieren aussteigen. Und gleichzeitig halten sie es selbst aufrecht.

Nicht aus Schwäche, sondern weil es tief verankert ist.
Weil es Sicherheit gibt.  Orientierung. Zugehörigkeit.

Und weil ein anderer Weg oft nicht wirklich gelernt wurde.

 

Ein Gedanke, der mir wichtig ist

 

Es muss nicht erst so weit kommen. Du musst nicht erst erschöpft sein, um dich selbst wichtig zu nehmen.

 

Mein Appell an dich:

 

Nimm dich ernst. Früher.

Frage dich:

  • Wodurch erlebe ich meinen Wert?
  • Wann beginne ich, mich selbst zu übergehen?
  • Was erlaube ich mir nicht?

Und vielleicht auch:

Erlaube ich mir wichtig sein – ohne es mir durch meine Erschöpfung verdienen zu müssen?

 

Selbstfürsorge ist nicht egoistisch. Sie ist eine Form von Selbstachtung.

Vielleicht beginnt sie genau hier: Nicht erst dann, wenn nichts mehr geht.
Sondern dann, wenn du noch wählen kannst.

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Birte Gamm

Dipl. Heilpädagogin • Autorin • Seminarleiterin • Dozentin • Supervision • Fachliche Begleitung für Teams & Fachkräfte 

Weidenweg 4
23769 Fehmarn

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